3.2.1 Grundsätzliches zu zusammengesetzten Sätzen

(1)
Im Niederdeutschen wählt man häufig Folgen von Hauptsätzen (Anreihungen von Sätzen, Satzreihen), wobei man die Sätze oft ohne Konjunktionen verbindet.

(2)
Seltener bildet man Haupt- und Nebensätze (Unterordnung von Sätzen, Satzgefüge), wobei die Nebensätze oft ohne Konjunktionen eingeleitet werden.

Dies ist kennzeichnend niederdeutsch. Es spiegelt den vorwiegend mündlichen Gebrauch des Niederdeutschen wider. Es macht die Sätze aber auch eingängiger. Einen Eindruck vom typischen Unterschied niederdeutscher und hochdeutscher Satzverbindungen gibt folgendes Beispiel:

De Tuunkrüper hett sien Nest in’t Wagenschuer hatt. Nu sünd de beiden Olen beid mal utflagen west – se hebbt ehr Jungen wat to leven halen wullt – un hebbt de Lütten ganz alleen laten. Na’n Tiet kümmt de Ool wedder to Huus. „Wat ’s hier passeert?“, seggt he. „Wer hett ju wat daan? Ji sünd ja ganz verschüchtert.“
(Wisser, Volksmärchen)
Während das Zaunkönigpärchen, das sein Nest im Wagenschauer hatte, eines Tages ausgeflogen war, um Nahrung für die Jungen zu holen, hatte es die Kleinen ganz allein gelassen. Als der alte Zaunkönig wieder nach Hause kam, fragte er, was hier passiert sei, wer ihnen etwas getan habe. Denn er hatte festgestellt, dass sie ganz eingeschüchtert waren.

Aber auch das Niederdeutsche hält ein Instrumentarium an Einleitewörtern zur Satzverbindung bereit.